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Korsika Juli/August 2016

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Inzwischen mit den Weihen eines H-Kennzeichens und Oldtimer-Gutachtens versehen, dachte sich unser alter Klops (unser mittlerweile 30-jähriger Campingbus), immer nur Reisen auf dem Festland seien doch langweilig, und schlug uns den Besuch einer Insel nebst zugehöriger Fährpassage vor. Wir stimmten zu und es wurde eine Reise nach Korsika gebucht.

Wer hier nicht weiterlesen möchte, kann auch jetzt schon das Album anschauen

Da ich in früheren Zeiten dort schon mehrfach Urlaub gemacht hatte, war mir Korsika nicht gänzlich unbekannt und ich konnte mich (wieder einmal) als kundiger Führer beweisen. Ich war gespannt, was sich in den 13 Jahren seit meinem letzten Besuch so alles verändert hatte.

Nach unserer zehnstündigen Nachtpassage morgens direkt vom Schiff kommend, hatten wir das Glück in Bastia sofort in der Stadtmitte einen Parkplatz zu finden und konnten so zur ersten Einstimmung gleich einen morgendlichen Bummel über die elegante, schöne Place St. Nicolas genießen.

Unsere erste Anlaufstelle war dann der Camping San Damiano nahe Bastia am Etang de Biguglia

Die Anfahrt dorthin gestaltete sich zeitraubend, da aufgrund umfangreicher Straßenbauarbeiten die Wegführung geändert war und wir Schwierigkeiten hatten, den Platz zu finden. Auch unsere beiden Navis haben uns hier in die Irre geführt.
Letztendlich waren wir aber erfolgreich.

San Damiano ist ein sehr gut ausgestatteter, großer, gepflegter Platz unter Kiefern, Mimosen, Eukalyptusbäumen und Korkeichen. Sehr schön die Lage direkt am Meer mit Blick auf Bastia vom weißen Sandstrand aus, der auch gleich für erste Badefreuden aufgesucht wurde.
Es gibt ein vielfältiges Angebot abendlicher Veranstaltungen. Bereits an unserem ersten Abend kamen wir im Rahmen einer Soirée Corse mit der Gruppe "Stondo di Piace" in den Genuss eines Konzertes mit korsischer Musik. Gleich zu Anfang ein Highlight!

Einzige Einschränkung: die Heißwasserkapazitäten der Duschen sind den Erfordernissen nicht gewachsen. Bei abendlichem Hochbetrieb in den Sanitärblocks blieb das Wasser schon mal kalt. Aber was soll's, man ist schließlich im Sommerurlaub mit Tagestemperaturen an die 30 Grad...

Bei einem ersten Einkauf haben wir uns gleich mit regionalen Produkten wie Wein, Brocciu und Lonzu eingedeckt.
Brocciu ist eine Mozzarella-ähnliche Käsespezialität aus Schaf- und Ziegenkäse, Lonzu ein unter Verwendung von Schweinefilet, Salz, Pfeffer und Wein hergestelltes Trockenfleisch.

Nach vier Übernachtungen hieß es dann Abschied nehmen und wir begaben uns 170 km weiter an die Südspitze der Insel nach Bonifacio.

Auf dem Weg dorthin haben wir einen kleinen Abstecher nach Murato zur dortigen Kirche San Michele gemacht.

In Bonifacio angekommen, haben wir uns auf dem dortigen Camping L'Araguina niedergelassen.

Der Platz ist klein und eng mit Terrassen in einer Ausbuchtung des Kalksteingebirges, bietet keinerlei besondere Ausstattung und ist in der Hauptsaison regelmäßig ausgebucht. Die Stellplätze für Wohnmobile sind winzig, und trotzdem ist dieser Platz bei Reisenden äußerst begehrt wegen seiner Nähe zur Stadt. Es gibt keinen anderen Camping in Laufnähe zu Bonifacio. Bedingt durch unsere frühe Abfahrt von San Damiano kamen wir zu einer günstigen Zeit in Bonifacio an, sodass wir einen der knappen Stellplätze ergattern konnten. Hat man sich einmal eingerichtet und sich mit der Tuchfühlung zum Nachbarn in 2 Metern Entfernung arrangiert, kann man sich inmitten weißer Kreidefelsen beim Grillenkonzert im Schatten großer Olivenbäume durchaus wohlfühlen. Bei aller Enge und Einfachheit ist der Platz schön und sehr gepflegt. Die Besitzerin führt ein strenges Regiment, ist aber sehr freundlich und kinderlieb.
Kleine Kuriosität am Rande: Der einzige an der Rezeption käuflich zu erwerbende Artikel ist Klopapier - die Rolle zu 70 Cent. Ein Service der besonderen Art...

Bonifacio ist für mein Empfinden die schönste Stadt Korsikas und besticht auf verschiedene Arten: Einerseits der in einer natürlichen Bucht gelegene durchaus mondäne Hafen mit riesigen, unermesslich teuren Privatyachten und einer Unzahl teils eleganter Restaurants verschiedenster Coleur entlang der Hafenmole, andererseits die auf dem überhängenden Kreidefelsen erbaute Oberstadt, bei deren Anblick mich jedesmal der Gedanke beschleicht, wann endlich der ganze Felsen abbricht und mit den Häusern zusammen in den Fluten versinkt. Besonders vom Wasser aus während einer Bootstour ist der Blick atemberaubend.

Einen ähnlichen Eindruck bekommt man, wenn man die in den Felsen gehauene Treppe des Königs von Aragon hinab steigt, die mit ihren 187 steilen und hohen Stufen für kleinere Leute eine Herausforderung darstellt.

An unserem zweiten Abend in Bonifacio durften wir im Rahmen eines Hafenfestivals ein großes Feuerwerk genießen, das mit der farbig illuminierten Zitadelle im Vordergrund höchst effektvoll in Szene gesetzt wurde.

Aufgrund des Höhenunterschieds zwischen Ober- und Unterstadt kann die Erkundung des Städtchens ganz schön anstrengend werden, ist aber jeden Tropfen Schweiß wert. Man wird mit unglaublich schönen Ausblicken auf tiefblaues Meer und strahlend weiße Kreideküste belohnt.

Auch wenn es uns schwer fiel, nach drei Tagen sind wir in Richtung Corte ins Landesinnere aufgebrochen.

Nach drei Stunden beschwerlicher Fahrt - sehr steigungs- und kurvenreich - erreichten wir schließlich Corte, wo wir uns sofort ins spektakulär schöne Restonica-Tal begaben.

Dort gibt es ca. 6 km außerhalb der Stadt den Camping Tuani, der mir bereits von früheren Besuchen bekannt war. Tuani ist völlig einsam am Restonica-Fluss gelegen und bietet in erster Linie Natur und nichts als Natur. Die Stellplätze im Kiefernwald sind weitgehend naturbelassen, sodass es für Wohnmobile schon mal schwierig werden kann, ein einigermaßen ebenes Plätzchen zu finden. Es gibt keinen Handy-Empfang, dafür aber als stetige Begleitmusik das Rauschen des Flusses.
Einige Stellplätze sind mit Stromversorgung ausgestattet worden; etwas unkonventionell in Form von Schuko-Steckdosen, die an einzelnen Kiefernstämmen angebracht wurden. Sicher nicht den Vorschriften entsprechend, aber es hat funktioniert. Wir haben uns mit Hilfe einer Mehrfachsteckleiste einen Anschluss mit unseren Nachbarn geteilt.

Die Straße führt noch etwa 10 km weiter aufwärts ins Restonica-Tal, um dort an den Bergeries la Grotelle zu enden. Mein Traum wäre gewesen, mit dem Fahrrad dort hinauf zu fahren, aber 10 km steil bergauf wäre mit unserer Siebenjährigen und ihrem Dreigang-Rädchen nicht machbar gewesen.
Leider ist die Zufahrt dorthin für Wohnmobile nicht erlaubt, sodass wir den mehrmals täglich angebotenen Minibus-Service in Anspruch genommen haben.
So sind wir uns ein bisschen unsportlich vorgekommen; das wurde aber durch die anschließende Wanderung zum Melo-See mehr als ausgeglichen.
Da wir den Minibus für die Rückfahrt nicht verpassen durften, war uns die Fortsetzung der Wanderung weiter hoch zum Capitello-See leider nicht möglich. Mit unserer Kleinen konnten wir einfach nicht das nötige Tempo vorlegen.
Trotzdem ein schöner Tag. Abends dann noch Einkehr im Camping-eigenen Restaurant.

Für Corte selbst blieb uns leider keine Zeit mehr, da wir am nächsten Morgen früh in Richtung Porto aufbrachen.

Die Fahrt von Corte nach Porto ist sehr schön aber auch zeitaufwendig. Die ganze Strecke ist extrem kurvig und die Straßen sind teilweise ziemlich holprig und sehr eng. Mehrfach musste ich zurücksetzen, um den Gegenverkehr passieren zu lassen. PKWs sind auf solchen Straßen naturgemäß flinker unterwegs als das mit unserem Klops möglich ist, zumal an unserem hinteren Ende drei Fahrräder versuchen, den Fliehkräften zu folgen.
Alle Anstrengungen werden aber entschädigt durch immer wieder faszinierende Ausblicke. Etliche Male haben wir angehalten um Fotos zu machen.

In Porto angekommen mussten wir ein wenig suchen, bis wir einen Camping fanden, sind dann aber auf dem Camping Funtana a l'Ora untergekommen, wo wir zwar nicht den schönsten Stellplatz dieser Reise hatten, aber sehr freundlich und zuvorkommend willkommen geheißen wurden.
Der Platz ist recht ansprechend terrassenförmig zwischen riesigen Felsblöcken am Hang angelegt, hat ein eigenes Schwimmbad und ist zur Hauptsaison wohl immer ziemlich voll.

Auch hier kamen wir gleich am ersten Abend wieder in den Genuss des Konzertes eines korsischen Gitarrenduos mit mächtig Pathos in den Stimmen - ich hätte stundenlang zuhören können...!

Zuträglich fürs sommerliche Wohlbefinden war der Campingplatz-eigene Pool, sehr ansehnlich im Eingangsbereich angelegt und um einen großen Felsen herum gebaut.

In ca. 200 m Entfernung gibt es einen etwas verwilderten und verwunschenen Zugang zum Porto-Fluss, wo einen etliche schöne Badegumpen erwarten.

Eine Radtour führte uns ins benachbarte Porto und von dort noch einmal weiter nach Marine de Porto an die Mündung des Porto-Flusses. Dort steht in ehemals strategisch günstiger, vom heutigen Standpunkt jedoch landschaftlich einmalig schöner Lage ein alter genuesischer Wachtturm, den man besteigen und besichtigen kann. Obwohl Marine de Porto außer Yachthafen, Hotels und Restaurants so gar nichts zu bieten hat, sind die Ausblicke auf Felsküste, Flussmündung und Bergpanorama hoch oben vom Turm grandios.
Aufgrund dieser landschaftlichen Schönheit wurde der Golf von Porto zum Weltnaturerbe der UNESCO erklärt.
Wir haben einige Einkäufe erledigt und sind nach einem ausgesprochen leckeren Abendessen im Restaurant "Brise de Mer" wieder zurück zum Camping geradelt.

An dieser Stelle ein großes Lob für unsere Kleine: Mit 7 Jahren und nur 3 Gängen, mit einem Teil der Einkäufe bepackt und bei völliger Dunkelheit mehrere Kilometer bergauf geradelt - da hätte mancher Große schlapp gemacht! Da steht wohl bald der Erwerb des nächsten Fahrrads ins Haus...

Einen Tag später wurde die gleiche Tour noch einmal absolviert, diesmal ausgerüstet mit Badezeug. Nahe beim Yachthafen in Marine de Porto hat man einen Sandstrand künstlich aufgeschüttet und im hinteren Teil mit Schatten spendenden Bäumchen bepflanzt. Auch von hier hat man einen fantastischen Ausblick auf Bucht, Berge und Genuesenturm.
Schließlich begaben wir uns weiter nach Calvi, unserer vorletzten Station dieser Reise.

Die Fahrt dorthin führte im ersten Teil an der Westküste entlang mit immer wieder fantastischen Ausblicken, sodass wir etliche Male angehalten haben um Fotos zu machen. Auf diese Weise haben wir über drei Stunden für 71 km gebraucht.

In Calvi fanden wir dann ein Plätzchen auf dem ganz wunderbaren Camping Paduella in 5 Minuten Laufentfernung zum Meer.
Vor genau 25 Jahren war ich zum ersten Mal hier und seither noch einige Male wieder. Der Platz ist inzwischen in mehreren Schüben vergrößert und erweitert worden; man hat es aber verstanden, den ursprünglichen angenehmen Charme der Anlage zu bewahren.
Ca. 2 km vor den Toren Calvis gelegen, in einem schattigen Wäldchen aus Kiefern, Eukalyptusbäumen, Mimosen und Steineichen, war Paduella der mit Abstand schönste und am besten geführte Campingplatz unserer Reise. Der mir von früheren Reisen wohlbekannte alte Besitzer - inzwischen im Ruhestand - ist immer noch präsent und widmet sich nach wie vor in liebevoller Weise seinen Stammgästen.

Vom Strand aus blickt man in die Bucht von Calvi mit der Zitadelle hoch über der Stadt; in Laufnähe gibt es einen gut sortierten Casino-Supermarkt und die Stadt selbst ist in ca. 20 Minuten zu Fuß zu erreichen, entsprechend schneller per Fahrrad.

Am Strand liegend wird man regelmäßig von seismischen Verwerfungen heimgesucht, da die Trasse der Inselbahn über den Strand führt und das Rumpeln der etwas altertümlichen Triebwagen-Züge gewisse Erschütterungen auslöst. Einen Tag haben wir uns hier ausgiebigen Badefreuden hingegeben und die Sonne genossen.

Mit besagter Inselbahn wurde dann auch ein Ausflug ins 24 km entfernte L'Île Rousse unternommen. Entscheidendes Erlebnis hierbei ist nicht der Aufenthalt in L'Île Rousse, sondern die Bahnfahrt selbst, die meist in Sichtweite zur Küste verläuft und mehr als eine Aussicht auf Strände und traumhafte Badebuchten bereithält. In L'Île Rousse ist ein wenig Bummeln und ein Café crème auf der von Platanen umsäumten Place Paoli angesagt, bevor es mit dem Zug wieder zurück nach Calvi geht.

Ein weiterer Tag war der Erkundung Calvis gewidmet. Wir haben die Unterstadt samt Yachthafen sowie Oberstadt und Zitadelle durchstreift und hatten dann abends ein sehr gutes Essen im Restaurant A Candella auf einer Terrasse mit herrlichem Panoramablick über den Hafen und die Bucht von Calvi mit den vom Abendlicht beschienenen Bergen im Hintergrund.
Ein wenig träge geworden von Fischsuppe, Zicklein vom Grill, Kastanienkuchen, Rotwein, Café und Myrtenlikör haben wir uns dann noch etwas ziellos durchs nächtliche Calvi treiben lassen, sind an den Restaurants und Bars am Hafen entlang geschlendert, haben kurz bei einem Rockkonzert in der Oberstadt haltgemacht, um dann wohlgesättigt vom guten Essen und all den Eindrücken ins Bett zu sinken. 

Nach 5 sehr angenehmen Tagen und Nächten mussten wir dann in Richtung Bastia aufbrechen, um dort für unsere letzte Nacht auf Korsika noch einmal auf dem Campingplatz San Damiano einzuchecken, bevor uns dann die große Fähre wieder in Richtung Italien entführte.

Obwohl wir an die Schulferien gebunden waren und somit unser Urlaub auch in die französische Feriensaison fiel, hatten wir - abgesehen von der Fährpassage - nichts vorab von zu Hause gebucht. Dies wäre auch nicht nötig gewesen; wir sind immer und überall problemlos untergekommen.




Links:

Bastia
Bonifacio
Calvi
Stolz und schön - Korsika und seine Bewohner (Doku 43 min)
Korsika (aus der Reihe "Länder, Menschen, Abenteuer")
Korsische Inselbahn (29 min Eisenbahnromantik)
The G (Rockmusik aus Calenzana)
Drohnenflug über Korsika


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